Gefässerweiterung (Aneurysma) —
Eine Gefässerweiterung, medizinisch Aneurysma genannt, ist eine Ausstülpung der Gefässwand. Sie entsteht, wenn die Gefässwand an Stabilität verliert und dem Blutdruck nicht mehr standhalten kann. Aneurysmen können in jeder Arterie des Körpers auftreten und bleiben lange unbemerkt. Erst mit zunehmender Grösse steigt das Risiko für Komplikationen. Wird ein Aneurysma früh erkannt, lässt es sich in vielen Fällen gut überwachen oder gezielt behandeln.
Was ist eine Gefässerweiterung (Aneurysma)?
Als Aneurysma bezeichnet man eine krankhafte, lokale Ausweitung der Gefässwand, mit Vergrösserung des Gefässdurchmessers. Grundsätzlich kann jedes Gefäss eine solche Ausstülpung aufweisen, meistens sind jedoch Schlagadern (Arterien) betroffen. In vielen Fällen verursacht ein Aneurysma keine Beschwerden und wird zufällig entdeckt. Mit zunehmender Grösse steigt jedoch das Risiko, dass die Gefässwand reisst und das Aneurysma platzt (sogenannte Ruptur) – ähnlich wie bei einem Luftballon, der immer weiter aufgeblasen wird.
Zudem kann das Aneurysma den Blutfluss stören, was zur Bildung von Blutgerinnseln führen kann. Diese Blutgerinnsel können unter Umständen durch den Blutstrom weitergeschwemmt werden und kleinere Gefässe verstopfen.
Wo können Aneurysmen entstehen?
Grundsätzlich kann ein Aneurysma in jedem arteriellen Gefäss entstehen. Am häufigsten entstehen Aneurysmen an der Hauptschlagader im Bauch (Bauchaortenaneurysma) oder an der Schlagader der Kniekehle (Poplitealaneurysma).
Gefässerweiterung der Bauchschlagader (Bauchaortenaneurysma)
Die Bauchschlagader ist das grösste Blutgefäss im Bauchraum und versorgt Unterleib und Beine mit Blut. Kommt es hier zu einer Gefässerweiterung, spricht man von einem Bauchaortenaneurysma. Bei dieser Form des Aneurysmas ist das Risiko eines Risses besonders hoch und kann im Falle einer Ruptur lebensbedrohlich sein.
Gefässerweiterung der Schlagader der Kniekehle (Poplitealaneurysma)
Bei einer Ausstülpung der Schlagader der Kniekehle (Poplitealaneurysma) ist das Risiko einer Ruptur eher gering. Dafür kommt es bei dieser Form sehr häufig zu Blutgerinnselbildung, aufgrund von Verwirbelungen im Blutfluss, die durch die Ausstülpung entstehen. Löst sich ein solches Blutgerinnsel, kann es zu einem Gefässverschluss, einer Thrombose oder Embolie kommen.
Weiter häufige Orte für ein Aneurysma sind:
die Brustschlagader (Brustaorta)
die Hirnarterien
weitere Arterien im Becken-, Bein oder Armbereich
Arterien der inneren Organe
Symptome
Viele Aneurysmen verursachen lange Zeit keine Beschwerden. Symptome treten häufig erst auf, wenn die Gefässerweiterung eine gewisse Grösse erreicht oder sich rasch verändert.
Keine oder unspezifische Beschwerden
In frühen Stadien bleibt ein Aneurysma meist symptomlos. Deshalb wird es oft zufällig im Rahmen anderer Untersuchungen entdeckt.
Druck- oder Schmerzgefühle
Je nach Lage können dumpfe Schmerzen oder ein Druckgefühl auftreten, zum Beispiel im Bauch, Rücken oder Brustkorb. Diese Beschwerden sind oft unspezifisch.
Akute Beschwerden bei Komplikationen
Reisst ein Aneurysma oder droht zu reissen, können plötzlich starke Schmerzen, Kreislaufprobleme oder Bewusstseinsstörungen auftreten. In diesem Fall handelt es sich um einen medizinischen Notfall.
Entstehung und Ursachen von Gefässerweiterungen
Die genaue Ursache ist nicht immer eindeutig. Meist spielen mehrere Faktoren zusammen, die die Gefässwand schwächen. Zudem gibt es Risikofaktoren, die die Bildung eines Aneurysmas begünstigen können.
Arterienverkalkung
Die häufigste Ursache ist die Arterienverkalkung (Arteriosklerose). Solche Ablagerungen in der Gefässwand beeinträchtigen deren Elastizität und Stabilität.
Weitere Risikofaktoren
Bluthochdruck
Rauchen
Erhöhter Cholesterinspiegel im Blut
Alter (ab dem 50. Lebensjahr)
Männliches Geschlecht
Genetische Faktoren mit familiärer Häufung
Schaufensterkrankheit (Periphere arterieller Verschlusskrankheit)
Seltene angeborene Bindegewebserkrankungen
Da Aneurysmen oft lange unbemerkt bleiben, ist die Früherkennung besonders wichtig. Bestimmte Risikogruppen können von gezielten Vorsorgeuntersuchungen profitieren, beispielsweise mittels Ultraschalls der Bauchschlagader.
Verlauf und Wachstum einer Gefässerweiterung (Aneurysmas)
Ein Aneurysma entwickelt sich in den meisten Fällen schleichend. Die Gefässerweiterung wächst langsam über Jahre hinweg und verursacht zunächst keine Beschwerden. Wie schnell ein Aneurysma grösser wird, kann jedoch von Person zu Person unterschiedlich sein. Mit zunehmender Grösse steigt die Belastung der Gefässwand und damit auch das Risiko für Komplikationen. Nimmt das Aneurysma innerhalb kurzer Zeit deutlich an Grösse zu, wird dies als Warnsignal gewertet und eine Behandlung geprüft. Regelmässige Kontrollen sind deshalb entscheidend, um Veränderungen frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig reagieren zu können.
Wann ist eine Gefässerweiterung (Aneurysma) behandlungsbedürftig?
Die Grösse eines Aneurysmas ist ein entscheidender Faktor für das Risiko von Komplikationen. Je grösser die Gefässerweiterung, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit eines Einrisses oder einer Ruptur. Deshalb werden Grenzwerte beispielsweise von der European Society for Vascular Surgery (ESVS) definiert, ab denen eine Behandlung empfohlen wird. Diese europäischen Leitlinien gelten auch in der Schweiz als wichtige medizinische Grundlage und Orientierung für die Behandlung.
Neben der Grösse und Lage spielen auch das Wachstum des Aneurysmas, die Form sowie individuelle Risikofaktoren eine Rolle. Deshalb wird die Entscheidung zur Behandlung immer individuell und auf die einzelne Patientin oder den einzelnen Patienten abgestimmt getroffen.
Diagnostik
Aneurysmen werden häufig im Rahmen von Ultraschall-, CT- oder MRT-Untersuchungen entdeckt. Der Ultraschall eignet sich besonders gut zur Beurteilung der Bauchschlagader. Bildgebende Verfahren zeigen Grösse, Lage und Form der Gefässerweiterung und helfen bei der Einschätzung des Risikos sowie der Therapieplanung.
Doppleruntersuchungen / Duplexsonographie / CEUS (Contrast enhanced Ultrasound)
Ultraschalluntersuchungen der Blutgefässe bei denen die Blutflussgeschwindigkeit und davon abhängig Stenosen oder Verschlüsse diagnostiziert werden.
CT-Angiographie
Bei einer CT-Angiographie (CTA) handelt es sich um ein spezielles radiologisches Untersuchungsverfahren, eine Art Schichtröntgen. Die Computertomographie des Gefässsystems stellt dreidimensionale Querschnitt- oder Schichtaufnahmen zur Verfügung. Anhand dieser Bilder lässt sich beurteilen, wie es um die Gesundheit der Gefässe bestellt ist.
Magnetresonanztomographie (MR)-Angiographie
Moderne Geräte ebenfalls mit hoher Bildauflösung, alle Gefässabschnitte sind darstellbar, keine Röntgenstrahlen, Gewebsumgebung ist sehr gut beurteilbar.
Behandlungen
Bei kleinen Aneurysmen ohne Beschwerden stehen die Überwachung und die konsequente Behandlung von Risikofaktoren im Vordergrund. Wird ein Aneurysma behandlungsbedürftig, stehen verschiedene Therapieoptionen zur Verfügung. Welche Methode gewählt wird, hängt unter anderem von der Lage des Aneurysmas und dem allgemeinen Gesundheitszustand ab.
Häufige Fragen
Ist eine Gefässerweiterung gefährlich?
Nicht jedes Aneurysma ist sofort gefährlich. Das Risiko hängt von Grösse, Lage und Wachstum ab.
Kann ein Aneurysma von selbst verschwinden?
Nein. Eine bestehende Gefässerweiterung bildet sich in der Regel nicht zurück, kann aber stabil bleiben.
Wann ist eine Behandlung notwendig?
Eine Behandlung wird empfohlen, wenn das Risiko für Komplikationen steigt oder Beschwerden auftreten.
Wie oft sind Kontrollen nötig?
Die Kontrollintervalle hängen von der Grösse des Aneurysmas ab und werden individuell festgelegt.
Kann man einem Aneurysma vorbeugen?
Ein gesunder Lebensstil, insbesondere Rauchverzicht und Blutdruckkontrolle, senkt das Risiko.
Kann ich mit einem Aneurysma weiterhin Sport treiben?
Grundsätzlich ist körperliche Aktivität weiterhin möglich und sogar empfehlenswert. Leichte bis moderate Bewegung (wie Spazieren, Velofahren oder Schwimmen) unterstützt die Herz-Kreislauf-Gesundheit. Vermeiden sollten Sie jedoch sehr intensive Belastungen oder schweres Heben, da dabei der Blutdruck kurzfristig stark ansteigen kann und die Gefässwand zusätzlich belastet wird. Welche Aktivitäten für Sie geeignet sind, sollte individuell mit der Ärztin oder dem Arzt besprochen werden.